Elektromobilität, Apps, Verkehrsinfrastruktur

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Hubject – eRoaming-Plattform für eine vernetzte Elektromobilität

Initiator: Hubject GmbH, Berlin

Eine Plattform ermöglicht anbieterübergreifendes Laden von Elektrofahrzeugen in ganz Europa. Über die Hubject-Plattform können die Ladestationen aller angeschlossenen Betreiber auch von Kunden dritter Anbieter im Markt gefunden und genutzt werden.

Steckbrief
– Projektstart: 2013
– Mitarbeiterzahl Hubject GmbH: 21 (Stand: September 2016)
– Reichweite: Digitale Vernetzung von 40.000 Ladepunkten in 20 Ländern über die Hubject-Plattform (Stand: Dezember 2016)

„Obwohl sich unsere Lösungen ausschließlich an Unternehmen richten, konzentrieren wir uns bei der Weiterentwicklung unserer Angebote auf die Bedürfnisse der Elektroautofahrer. Für den Nutzer spielt es vordergründig keine Rolle, wer eine Ladestation betreibt oder mit Strom beliefert. Elektroautofahrer wollen ein lückenloses Netz an Ladestationen, welches einfach und komfortabel nutzbar ist.“
Thomas Daiber, Geschäftsführer der Hubject GmbH

Foto: Hubject GmbH

Ladestationen sind die Tankstellen der Elektroautos – da die Zugangs- und Abrechnungssysteme jedoch größtenteils unterschiedlich und nicht kompatibel sind, können die Nutzer nur auf einen Bruchteil der vorhandenen Ladeinfrastruktur zugreifen, was häufig zu Unzufriedenheit seitens der Elektroautofahrer führt.

Die eRoaming-Plattform der Hubject GmbH vernetzt verschiedene Anbieter von Ladestationen und Ladelösungen, sodass Nutzer alle Ladestationen der an das Netzwerk angeschlossenen Betreiber finden und nutzen können. Die Plattform fungiert dabei als Adaptersystem, welches alle notwendigen Informationen, wie Stecker-, Geo- und Belegungsdaten, an die angeschlossenen Partner weiterleitet. Die einzelnen Unternehmen stellen diese Informationen wiederum dem Elektroautofahrer zur Verfügung. Der entscheidende Vorteil: Statt einer Vielzahl an Ladekarten und Apps unterschiedlicher Anbieter wird nur noch ein Zugangsmedium benötigt, um an allen Ladestationen im Netzwerk laden zu können.

Musik: Ulas Pakkan, Genehmigung von Shutterstock, Inc.

Foto: Hubject GmbH
Interview mit Christian Hahn und Thomas Daiber, Geschäftsführer der Hubject GmbH
Wie ist die Idee entstanden, dass die Welt eine eRoaming-Plattform für eine vernetzte Elektromobilität braucht?

Thomas Daiber: Im Gründungsjahr von Hubject 2012 gab es alleine in Deutschland über 200 nicht vernetzte Ladestationsbetreiber mit eigenen Inselnetzwerken und intransparenten Zugangsmöglichkeiten. Um diese Ladestationen nutzen zu können, hätte jeder Elektroautofahrer mehr als 70 verschiedene Ladekarten oder andere Authentifizierungsmedien benötigt. Dieses Problem wollten wir lösen, um Elektromobilität kundenfreundlicher zu machen. Dank Hubject benötigen Elektromobilisten heute nur noch ein Zugangsmedium, um an allen 40.000 Ladestationen in 17 Ländern in unserem intercharge-Netzwerk laden zu können.

Christian Hahn und Thomas Daiber
Foto: Hubject GmbH
Welche Herausforderungen gab es bei der Umsetzung?

Christian Hahn: Um diesen flächendeckenden Zugang zu Ladestationen zu gewährleisten, müssen proprietäre Systemlandschaften vernetzt und zu einem einheitlichen Ladesystem vereint werden. Dies ist besonders komplex, da die technologische Basis der Ladestationsbetreiber sehr unterschiedlich ist. Zusätzlich dazu sind diverse Branchen mit abweichenden Produktentwicklungszyklen in die Wertschöpfungskette eingebunden. Auf internationaler Ebene müssen außerdem unterschiedliche Marktstrukturen und regulatorische Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.

Wo sehen Sie Ihr Projekt in zwei Jahren?

Thomas Daiber: Das große Ziel von Hubject ist es, in den nächsten zwei Jahren flächendeckend über 90% aller öffentlichen Ladestationen in ganz Europa digital zu vernetzten. In einigen Märkten haben wir das bereits heute erreicht, in anderen gibt es noch viel zu tun. Jeder Elektroautofahrer soll mit der von ihm präferierten Lade-App, RFID-Karte, NFC oder Plug&Charge überall und einfach Strom laden können. Darüber hinaus wollen wir auch in den relevanten Märkten außerhalb Europas Fuß fassen.

Was raten Sie anderen Menschen, die eine gute Idee haben und sie in die Tat umsetzen wollen?

Christian Hahn: Warten Sie nicht, bis das letzte i-Tüpfelchen gesetzt ist, auch wenn das hierzulande häufig als Tugend gilt. Die große Herausforderung liegt in der schnellen Operationalisierung innovativer Ideen. Während dieses Prozesses werden in den meisten digitalen Unternehmen sowohl das Produkt als auch die Strategie fortlaufend angepasst – idealerweise auf Basis von fortwährendem Kundenfeedback. Daher ist es i.d.R. nicht sinnvoll, am Anfang zu viel Zeit zu verlieren, sondern schnell am Markt zu sein.