Smart Data, Elektromobilität, Sharing Economy

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Dēmos − Demokratisches Mobilitätssystem

Initiatoren: Slock.it UG (Mittweida) und innogy SE (Essen)

Die Plattform Dēmos nutzt Blockchain-Technologie, um den Nutzern verschiedener Mobilitätsdienste Souveränität über ihre Daten zu geben und ihnen zu ermöglichen, selbst zum Anbieter zu werden.

Steckbrief
– Projektstart: Anfang 2015
– Kooperation: Gemeinschaftsprojekt zwischen Innogy (ehemals RWE) und Slock.it
– Mögliche Anwendungsfelder: Carsharing, Laden von Elektroautos, Telematik für Versicherungen und mehr

„Dēmos ermöglicht ein direktes Teilen von Mobilitätsdiensten auf einer sicheren Platform, über die kostengünstig, schnell und direkt Verträge und Zahlungen abgewickelt werden können. Damit kann der Nutzer zum Anbieter werden.”
Christoph Jentzsch, Chief Technology Officer der Slock.it UG

Ladendes Elektroauto
Foto: innogy SE

Ob persönliche Daten, Transaktionen oder Bewegungsprofile: Bei der Nutzung von Mobilitätsdiensten fallen zahlreiche Daten an – Daten, die geschützt werden müssen. Dēmos gibt seinen Nutzern mit Hilfe von Blockchain-Technologie die Selbstbestimmung über ihre Daten wieder zurück. Der Nutzer kann diese überall und jederzeit für seine digitalen Prozesse abrufen und selbst entscheiden, wer auf welche Informationen zugreifen kann.

Dēmos bietet so eine effiziente Transaktionsebene für Mobilitätsdienste, die jeder im Sinne der Sharing Economy nutzen kann: Eine direkte, transparente und sichere Interaktion zwischen Anbietern, Nutzern und Fahrzeugen wird möglich. Computerprotokolle, die Verträge abbilden – sogenannte Smart Contracts – und die Blockchain-Technologie ermöglichen Privatpersonen, vom Nutzer zum Anbieter zu werden und eigene Fahrzeuge, Parkplätze oder Ladeboxen auf einem lokalen Markt zur Verfügung zu stellen. So entstehen dynamische, vollständig digitale Märkte direkt zwischen Nachbarn und Firmen ohne Vermittler dazwischen. Dēmos macht Mobilität einfacher, barrierefrei und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt, indem Menschen sich Mobilitätsressourcen effektiv teilen.

Musik: Dominik Schwarzer, Genehmigung von Shutterstock, Inc.

Interview mit Christoph Jentzsch, Chief Technology Officer der Slock.it UG
Wie kamen Sie auf die Idee, dass es der Welt an einer Idee wie Dēmos fehlt?

Wir haben uns im Januar 2016 mit RWE getroffen, um ein Projekt zum Laden von Elektoautos über die Blockchain anzugehen. Im Frühjahr hatten wir schon den Prototypen einer Ladesäule erstellt. Gemeinsam schauen wir uns nun an, wie wir das Konzept Sharing Economy auf private Ladesäulen ausdehnen können. Teilhabe an Mobilität ist heute für viele Menschen immer noch nicht gegeben. Wir sind uns sicher, dass Dēmos da helfen kann. Im Juni haben wir uns daher mit RWE zusammen überlegt, wie wir das Konzept von Blockchain-basierten Ladetransaktionen auf den Mobility-Sektor übertragen können. Im Zentrum dieser Überlegungen steht immer der einfache Zugang zu Mobilität für jeden Nutzer und Anbieter.

Christoph Jentzsch
Welche Herausforderungen gab es bei der Umsetzung?

Gemeinsam mit RWE adressieren wir im Augenblick zwei Herausforderungen: Zum einen testen wir, welche Nutzer ihre privaten Ladesäulen teilen wollen. Dabei gibt es einige praktische Probleme zu lösen: Blockiert ein fremdes Auto beim Laden meine Einfahrt? Wie kann ich diese Leistung abrechnen, ohne technische Umbauten vorzunehmen? Zum anderen müssen Nutzer der Lösung an die Blockchain angekoppelt werden. Wir wollen keinem zumuten, für einen einfachen Ladevorgang Bitcoins zu kaufen. Daher arbeiten wir an einem Gateway, dass die Blockchain vor den Nutzern „versteckt“ und ihnen dennoch Zugang zu sicheren und effizienten Transaktionsmechanismen für die Sharing Economy gibt.

Wo sehen Sie Ihr Projekt in zwei Jahren?

Unser gemeinsames Projekt wird in den nächsten Monaten sicher einige weitere Partner anziehen. Diese wollen wir gerne in den Aufbau der Dēmos-Plattform einbinden. Mit diesem Ecosystem erwarten wir, dass das Projekt kritische Masse gewinnt, um in zwei Jahren viele Transaktionen im Mobilitätssektor zu vereinfachen und zu automatisieren.

Was raten Sie anderen Menschen, die eine gute Idee haben und sie in die Tat umsetzen wollen?

Zuerst raten wir, dass sich Menschen mit der Vielzahl der neuen Technologien beschäftigen, die es derzeit gibt – wie zum Beispiel selbstfahrende Autos, Drohnen, 3D-Drucken, künstliche Intelligenz, DNA Editing und natürlich Blockchain. Die Kombination dieser Technologien wird die Gesellschaft verändern. Daraus entstehen Chancen und Risiken. Jeder sollte seine Vorstellungskraft über die Zukunft einsetzen und mit viel Mut seine Ideen umzusetzen.