Fußgänger, Prävention, Smart Data

FAPS – Fraunhofer IVI Accident Prevention School

Initiator: Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI, Dresden

Eine neue Methode nutzt reale Unfalldaten für die Verkehrserziehung, um Jugendliche für Gefahren zu sensibilisieren und so die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen.

Steckbrief:

  • Projektstart: 2015 mit Schülerinnen und Schülern des Martin-Andersen-Nexö-Gymnasiums Dresden
  • Dauer eines FAPS-Projekts: drei bis fünf Tage
  • Partner und Fürsprecher: Polizei Sachsen, Forum Verkehrssicherheit des Landes Brandenburg
Foto: Fraunhofer IVI

„FAPS wird in den nächsten Jahren die Verkehrssicherheit von Kindern in unmittelbarer Nähe der Schulen deutlich verbessern können.“
Dr.-Ing. Christian T. Erbsmehl, Gruppenleiter „Fahrzeug- und Verkehrssicherheit“ am Fraunhofer IVI

Wie kann die Verkehrssicherheit von Kindern und Jugendlichen durch digitale Möglichkeiten erhöht werden? Die Lösung des Fraunhofer IVI beantwortet diese Frage auf Basis einer einfachen Grundannahme: Schüler müssen mit realen Unfallszenarien in ihrem unmittelbaren Umfeld konfrontiert werden, um ihr Bewusstsein für Gefahrensituationen zu steigern. Ziel des pädagogischen Projekts ist die Prävention von Unfällen durch vorausschauendes Verhalten. Hierfür nutzt das Fraunhofer IVI die Möglichkeiten von Smart Data: Aus den Unfalldatenbanken der Behörden werden − basierend auf der geografischen Lage der teilnehmenden Schule − passgenaue Daten extrahiert und den Schülern für die Projektarbeit zur Verfügung gestellt. Der pädagogische Ansatz setzt besonders darauf, das Bewusstsein der Schüler für die Rolle als schwächerer Verkehrsteilnehmer zu stärken. So lernen die Jugendlichen etwa, dass auch bei korrektem eigenen Verhalten eine Unfallgefahr besteht und auch das Fehlverhalten anderer einzukalkulieren ist. Besonders im Fokus: Schülerinnen und Schüler im Alter von 13 bis 15 Jahren − eine Gruppe, die in der Verkehrsbildung derzeit noch vernachlässigt wird.

Das Fraunhofer IVI zeigt mit seinem Projekt zur Unfallprävention, wie die intelligente Nutzung von Smart Data die Verkehrserziehung verbessern und den Straßenverkehr sicherer machen kann.

Interview mit Dr.-Ing. Christian T. Erbsmehl, Gruppenleiter „Fahrzeug- und Verkehrssicherheit“ am Fraunhofer IVI

Wie kamen Sie auf die Idee, dass die Welt Ihr Projekt braucht?

Seit mehreren Jahren beschäftigt sich das Institut mit Themen aus der Fahrzeug- und Verkehrssicherheit unter Nutzung polizeilicher Unfalldaten. Dabei stellte sich heraus, dass sich Schüler häufig ohne eigenes Verschulden bei Verkehrsunfällen verletzen. Durch eine Sensibilisierung der Kinder hinsichtlich des Fehlverhaltens anderer sahen wir eine Chance, dass Unfall- und damit das Verletzungsrisiko zu verringern.

Welche Herausforderungen gab es bei der Umsetzung?

Um das gewünschte Interesse und nötige Verständnis zu wecken, galt es, die psychologische Barriere einer Belehrung bei den Kindern zu überwinden, indem die Problematik anders als bei der schulischen Verkehrserziehung vermittelt wird. Eine ganz weitere Herausforderung war es, die polizeilichen Unfalldaten aufzubereiten.

Wo sehen Sie Ihr Projekt in zwei Jahren?

Wir würden uns wünschen, dass FAPS an der Schwelle zur flächendeckenden periodischen Durchführung in mindestens einem Bundesland stehen wird.

Was raten Sie anderen Menschen, die eine gute Idee haben und sie in die Tat umsetzen wollen?

Nicht lange fackeln, einfach anfangen und auch dann durchhalten, wenn nur geringe finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.

Die digitalen Lehrmethoden wurden am Martin-Andersen-Nexö-Gymnasiums in Dresden getestet. (Foto: Fraunhofer IVI)