Interview

IT und Mobilität: "Es geht nicht mehr darum, ein paar Bleche zusammenzuschrauben"

9. August 2017 – Die Diplom-Informatikerin Dr. Bettina Horster ist Vorstand für Business Development bei der VIVAI Software AG und leitet den Arbeitskreis M-Commerce beim ECO (Verband der deutschen Internetwirtschaft). Außerdem engagiert sie sich als Jurymitglied für den Deutschen Mobilitätspreis. Wir sprachen mit ihr darüber, wie Informationstechnologie schon heute und erst recht in der Zukunft unsere Mobilität revolutioniert.

Dr. Bettina Horster, Foto: Deutschland - Land der Ideen/Bernd Brundert

Welche Chancen birgt die Digitalisierung für die Mobilität?
In Zukunft werden Autos ein riesiger Computer mit ein bisschen Blech drumherum sein. Die Schwerpunkte verschieben sich und es wird immer wichtiger, dass die IT das Kernstück ist. Also müssen sich auch die Automobilunternehmen wandeln, um dieser Entwicklung auch gerecht zu werden.

Welche Digitalisierungstrends sind für Sie dabei am bedeutendsten?
Ganz eindeutig: Big Data und Analysetools! Das gibt den neuen Technologien noch einmal richtig Schub. Gerade beim autonomen Fahren sieht man das. Einige Experten gehen ja davon aus, dass es schon in zwei Jahren soweit ist. Und dann muss die Technik genau "sehen" können: Ist das hier ein Hindernis? Ein Fußgänger? Oder Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr: Ist das ein unbekannter Koffer, der da nicht stehen sollte? Oder nur ein harmloser Papierkorb? IT und Mustererkennung haben das Potenzial, viele Bereiche der Mobilität zu verändern.

Welche Rolle spielt Sicherheit bei diesen Entwicklungen?
Jeder möchte sicher fahren und sicher fliegen. Aber auch die Datensicherheit ist ein sehr sehr wichtiges Thema, wenn die IT immer mehr Einzug in den Mobilitätssektor hält. Mit Schadsoftware und anderen Angriffen auf Computersysteme können Sie schon heute wirklich viel Schaden anrichten. Wir hören ja dauernd von Computern, die praktisch gekapert werden und dann plötzlich überhaupt nichts mehr tun. Das ist schon eine große Bedrohung und wir müssen Sicherheitsmechanismen einbauen, dass das im fliegenden Flugzeug, im fahrenden Auto nicht passieren wird.

Warum engagieren Sie sich als Jurymitglied für den Deutschen Mobilitätspreis?
Mein Leben ist bestimmt durch die IT. Und heute muss man sagen, Autos und Mobilität, das ist nicht mehr "ein paar Bleche zusammenschrauben" und "ein paar Motoren konstruieren", sondern das ist jetzt IT! Deshalb interessiert mich das Thema und in diesem Bereich haben wir einiges zu erwarten. Autonomes Fahren ist nur eines der Themen. Der Wettbewerb zeigt, dass es noch sehr viel mehr Ideen diesbezüglich gibt.

Im Video: Wie werden wir in zehn Jahren von A nach B kommen?

Frau Dr. Horster, wir danken Ihnen für das Gespräch!