Interview

„Verkehr und Logistik müssen sicher und verlässlich funktionieren“

10. März 2017 - Der Start der Bewerbungsphase des Deutschen Mobilitätspreises 2017 steht vor der Tür. Das neue Jahresthema: Sicherheit. Dass dies ein wichtiges Thema ist, wenn es um den Verkehr geht, liegt auf der Hand. Aber wie kann intelligente Mobilität die Sicherheit noch erhöhen? Welche neuen Herausforderungen entstehen gegebenenfalls durch die Digitalisierung der Mobilität? Und wie greift der Deutsche Mobilitätspreis das Thema im kommenden Jahr auf? Wir haben mit Dorothee Bär MdB, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur und Juryvorsitzende des Deutschen Mobilitätspreises, gesprochen.

Dorothee Bär im Gespräch. [Foto: Deutschland - Land der Ideen/Juliane Eirich]

Der Deutsche Mobilitätspreis will das Thema „Intelligente Mobilität“ in den Blickpunkt rücken. Was kann man sich darunter genau vorstellen?
Da geht es um automatisierte und vernetzte Fahrzeuge, die unfallfrei fahren, Staus vermeiden und künftig vielleicht auch ihre Parkplätze selbst finden. Ausgeklügelte Navigationsassistenten stellen den passenden Mobilitätsmix zusammen und führen uns von Tür zu Tür. Sie helfen uns, stets den besten Anschluss zu erwischen und übernehmen auch die elektronische Abrechnung der gesamten Reisekette. Die „intelligente Mobilität“ unterstützt uns bei der Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen, egal ob Urbanisierung, der Sicherung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land oder der alternden Bevölkerung.

In diesem Jahr geht es beim Deutschen Mobilitätspreis um das Thema Sicherheit. Wieso ist das Thema so wichtig, wenn es um intelligente Mobilität geht?
Die Bürger in Deutschland legen etwa 275 Millionen Wege am Tag zurück und auch Waren sind ständig in Bewegung. Um unsere mobile Gesellschaft derart in Fluss zu halten, ist es wichtig, dass Verkehr und Logistik sicher und verlässlich funktionieren. Die Digitalisierung bietet dafür große Chancen. Gleichzeitig bringt die digitale Vernetzung auch Herausforderungen mit sich. Denn je vernetzter und komplexer Mobilitätssysteme sind, desto verletzbarer sind sie auch.

Bedeutet das, dass durch die Digitalisierung der Mobilität auch neue Sicherheitsprobleme entstehen?
Natürlich erfordert die Vernetzung von Fahrzeugen und Verkehrsinfrastruktur einen Schutz vor Missbrauch und Manipulation der ausgetauschten Daten. Doch moderne Informations- und Kommunikationstechnologie ist aus dem Verkehrsalltag nicht mehr wegzudenken: Dort, wo Neu- und Ausbau der Infrastruktur noch an Grenzen stoßen, eröffnet die Digitalisierung beispielsweise in Form von intelligenten Verkehrsleitsystemen, Navigationsdiensten oder Risikomanagementsoftware neue Wege. Aus diesem Grund gewinnt auch die Cybersicherheit für eine funktionierende Mobilität der Zukunft zentrale Relevanz und wird dementsprechend auch im Wettbewerb eine große Rolle spielen.

Was sind konkrete Potenziale der Digitalisierung in puncto Verkehrssicherheit?
Die digitalen Möglichkeiten für den Mobilitätsbereich sind vielfältig: Entwicklungen hin zum automatisierten und vernetzten Fahren können dabei helfen, der Vision von null Verkehrstoten näher zu kommen, Schadenskosten zu reduzieren und CO2 einzusparen. Der Austausch von Informationen mit anderen Verkehrsteilnehmern und der Infrastruktur lässt Gefahren erkennen, bevor sie zur konkreten Bedrohung werden. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz können digitale Mobilitätsdienste lernen und auf individuelle Sicherheitsbedürfnisse eingehen. Und die vorausschauende Analyse von Daten hilft, Gefährdungen frühzeitig zu erfassen, beispielsweise um Reparaturbedarf zu erkennen.

Im Jahr 2016 stellte der Deutsche Mobilitätspreis das Thema Teilhabe in den Fokus. Inwiefern ist Sicherheit die logische Fortsetzung des vergangenen Themas?
Die individuelle Mobilität ist Grundvoraussetzung für unsere Teilhabe am beruflichen wie am gesellschaftlichen Leben. Mit dem Thema haben wir im vergangenen Jahr also das gesellschaftliche Ziel, welches durch eine funktionierende Mobilität erreicht wird, in den Mittelpunkt gestellt. Die Frage war: Wie können wir es schaffen, dass jeder mobil sein kann? In diesem Jahr fokussieren wir uns nun darauf, wie die Mobilität, die Grundlage für die Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger am gesellschaftlichen Leben ist, in Zukunft noch sicherer und zuverlässiger sein kann.

Wie wird das diesjährige Wettbewerbsjahr aussehen?
Wie schon im vergangenen Jahr wird es auch in diesem Jahr wieder die Unterteilung in die Best-Practice- und die Open-Innovation-Phase geben. In der Best-Practice-Phase suchen wir zehn herausragend innovative Projekte, die den digitalen Wandel der Mobilität auf vorbildliche Weise vorantreiben. In dieser Phase können sich Organisationen aller Art mit Sitz in Deutschland bewerben. In der Open-Innovation-Phase sind im Online-Ideenportal die Ideen aller Bürgerinnen und Bürger gefragt. Ganz Deutschland ist dann dazu aufgerufen, Visionen für eine intelligente Mobilität der digitalen Gesellschaft zu entwickeln, damit jeder in Zukunft noch intelligenter unterwegs sein kann.

Was erhoffen Sie sich für die Zukunft des Mobilitätsstandorts Deutschlands?
Wenn wir die Chancen der Digitalisierung aktiv nutzen wollen, ist vernetztes Denken wichtiger denn je – und zwar über althergebrachte Grenzen hinweg. Im Verkehrssektor oder in der Welt von Telekommunikations- und IT-Branche sind die Denkmuster noch immer sehr verschieden. Wenn die reale Welt immer stärker mit der virtuellen Welt verschmilzt, brauchen wir auch ein Zusammenwachsen zwischen den betroffenen Branchen. Diese Entwicklung müssen wir unterstützen.

Warum ist es aus Sicht Ihres Ministeriums so wichtig, Best-Practice-Beispiele für „Intelligente Mobilität“ zu zeigen und neue Ideen anzustoßen?
Der Wettbewerb soll deutlich machen, wie sich das Potenzial der Digitalisierung gezielt für die Mobilität von morgen nutzen lässt. Wir verstehen den Deutschen Mobilitätspreis als Wegbereiter für Innovationen. Er soll Leuchtturmprojekte bekannt machen und Impulse für die weitere Entwicklung setzen. „Intelligent unterwegs“ sind wir schon heute – doch das ist erst der Anfang: Gemeinsam machen wir Deutschland zum Vorreiter der Mobilität 4.0.

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