Interview

„Der Nahverkehr muss weiterentwickelt werden“

4. September 2018 – Wie sieht der Nahverkehr der Zukunft aus? Erste Antworten darauf geben die Ideen, welche in der diesjährigen Open-Innovation-Phase des Deutschen Mobilitätspreises von allen Bürgerinnen und Bürgern eingereicht werden können. Anlässlich des Wettbewerbsstarts sprachen wir mit Martin Schmitz, Geschäftsführer Technik beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e. V., der den Wettbewerb als Themenpartner unterstützt.

Martin Schmitz, Geschäftsführer Technik beim VDV. Foto: „Deutschland – Land der Ideen“/Bernd Brundert

Herr Schmitz, was motiviert Sie, den Ideenwettbewerb des Deutschen Mobilitätspreises zu unterstützen?
Mobilität bewegt Menschen und die Menschen wollen mobil sein. Denn Mobilität ist eine entscheidende Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Unsere Motivation ist daher, den Bürgerinnen und Bürgern eine attraktive Mobilität in den Städten und im ländlichen Raum zu ermöglichen, die nachhaltig, für jeden zugänglich und modern ist.

Was erhoffen Sie sich von den eingereichten Ideen?
Mit dem Wettbewerb suchen wir innovative Ideen, wie wir den Verkehr der Zukunft gestalten können. Natürlich macht auch die Branche sich Gedanken über die Mobilität von morgen – wie wir beispielsweise neue Konzepte entwickeln und den Zugang durch Digitalisierung verbessern können. Aber der Bürger, der Nutzer, kann sich hier in den Ideenwettbewerb einbringen und uns noch weitere Anregungen für den Nahverkehr der Zukunft geben. Wir sind erfreut über den Ansatz, auf diesem Weg eine Ausschreibung für Ideen und Innovationen zu machen.

Welche Zielgruppe möchten Sie mit dem Ideenwettbewerb besonders adressieren?
Mobilität ist ein zentraler Faktor für die Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen am gesellschaftlichen und sozialen Leben. Jeder kann daher seine Ideen einreichen. Denn Mobilität betrifft uns alle. Wir suchen auf der einen Seite natürlich die jungen Leute mit ihren Visionen für neue Formen der Mobilität: Wie können sie sich vorstellen, in fünf oder zehn Jahren mobil unterwegs zu sein? Auf der anderen Seite suchen wir auch genauso die Ideen der älteren Generation, weil sich auch dort die Anforderungen und Ansprüche an Mobilität ändern und wir überlegen müssen, wie wir diese Anforderungen passend umsetzen können. Wichtig sind auch die unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse – Menschen in ländlichen Regionen werden vielleicht eine andere Sicht auf den Nahverkehr der Zukunft haben als Menschen, die in der Großstadt leben.

Vor welchen Herausforderungen steht der Nahverkehr in den nächsten Jahren?
Der Nahverkehr muss weiterentwickelt werden. Wir haben in den letzten Jahren viele gute Fortschritte gemacht, aber die technische Weiterentwicklung stellt uns vor große Herausforderungen. Zum einen die Elektrifizierung, also die Abkehr von fossilen Energieträgern. Das heißt, wir müssen neue Antriebssysteme und On-Demand-Systeme integrieren. Die Digitalisierung führt zu optimalen, besseren Betriebsabläufen und leichteren Zugängen zum ÖPNV. Und das führt dann auch zum Autonomen Fahren, wo wir ganz neue Angebots- und Fahrzeugkonzepte auf den Markt bringen können.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für Sie beim VDV?
Die Nachhaltigkeit ist für die Nahverkehrsbranche sehr wichtig. Der ökologische Fußabdruck im Bereich der Mobilität ist für uns ein ganz entscheidender Aspekt. Wir sehen das Thema ganz oben und stellen all unsere Entscheidungen unter dem Nachhaltigkeitsaspekt. Dies bedeutet nicht nur eine energieeffiziente Nutzung von Fahrzeugen und Klimaanlagen, sondern es geht auch darum, Mitarbeiter entsprechend zu schulen, weiterzuentwickeln und ihnen eine Zukunft in unserer Branche zu bieten.

Wie können digitale Lösungen im Nahverkehr aus Ihrer Sicht dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen?
Die Digitalisierung bietet uns die Möglichkeit, neue Prozesse einzuführen und einen leichteren Zugang zum ÖPNV zu bieten. Sei es über Sharing-Modelle, die den ÖPNV ergänzen, oder On-Demand-Angebote mit kleinen flexiblen Fahrzeugen, die man über eine App rufen kann. So können wir Mobilität effizienter gestalten. Daher glauben wir, dass es ganz wichtig ist, dass wir die Kunden-Schnittstelle digitalisieren und vereinfachen, den Zugang durch Bezahlsysteme optimieren und damit auch umweltfreundliche Mobilität ausbauen können.

Und zuletzt: Warum sollte man beim Wettbewerb mitmachen und seine Idee einreichen?
Nachhaltige Mobilität stellt aus unserer Sicht eines der wichtigsten Zukunftsthemen dar. Der Verkehr wächst und damit auch die Emissionen wie Abgas- und Lärmbelastung. Hier müssen wir uns noch überlegen, wie wir die Städte, unsere Lebensräume der Zukunft, gestalten wollen. Im ländlichen Raum haben wir eine Entleerung und müssen uns Gedanken machen, wie wir dort Mobilität sichern und die Menschen von A nach B bringen können. Aber auch im städtischen Raum, wo die Verkehrsräume immer voller werden und wir immer mehr Stau bekommen, müssen wir uns Gedanken machen wie Mobilität effizienter werden kann. Wir freuen uns daher über innovative Ansätze und gute Ideen, die wir in unsere Mobilitätskonzepte für die Zukunft einbringen können.

Herr Schmitz, Vielen Dank für das Interview!

Sie haben eine Idee für den Nahverkehr der Zukunft und möchten mitmachen?
Hier geht es zum Ideenwettbewerb!