Interview

„Chancen der Digitalisierung aktiv nutzen“

2. Juni 2016 - Anlässlich des Starts des Deutschen Mobilitätspreises sprachen wir mit Dorothee Bär, Mitglied des Deutschen Bundestages und Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Ein Gespräch über die Chancen der Digitalisierung für unser mobiles Leben heute und morgen (Foto: BMVI).

Foto: Tobias Koch

Ihr Ministerium vereint schon im Namen die Begriffe Verkehr und Digitales. Wieso gehören diese beiden Themenfelder für Sie so eng zusammen?

Verkehrswege sind Lebensadern unserer Gesellschaft. Für digitale Infrastruktur gilt das heute ebenso. Schon deshalb ist es sinnvoll, Verkehr und Digitales in einem Ministerium zu bündeln. Wir denken aber noch weiter: Im „Internet der Dinge“ wächst die reale Welt immer stärker mit der virtuellen Welt zusammen. Mobilität lässt sich dadurch viel besser auf die konkrete Bedürfnisse der Menschen ausrichten. Diese Chancen wollen wir nutzen. So machen wir unser Land fit für die digitale Zukunft.

Der Deutsche Mobilitätspreis will das Thema „Intelligente Mobilität“ in den Blickpunkt rücken. Was kann man sich unter „Intelligenter Mobilität“ vorstellen?

Da geht es um automatisierte und vernetzte Fahrzeuge, die unfallfrei fahren, Staus vermeiden und künftig vielleicht auch ihre Parkplätze selbst finden. Ausgeklügelte Navigationsassistenten stellen den passenden Mobilitätsmix zusammen und führen uns von Tür zu Tür. Sie helfen uns, stets den besten Anschluss zu erwischen und übernehmen auch die elektronische Abrechnung der gesamten Reisekette. Das sind nur einige Beispiele für „intelligente Mobilität“. Die Entwicklung steht erst am Anfang.

In welchen Bereichen der Mobilität werden uns Informations- und Kommunikationstechnologie besonders voranbringen?

Die Digitalisierung betrifft den Mobilitätssektor insgesamt. Somit werden Innovationen natürlich auch in allen Feldern Fortschritte bringen. Besonders spürbar für die Bürgerinnen und Bürger werden die Fortschritte überall dort, wo Mobilität unseren individuellen Alltag direkt betrifft. Das gilt für die Fahrt mit dem Auto oder den öffentlichen Personenverkehr genauso wie für die Lieferung bestellter Waren. Hier wird sich durch digitale Innovationen vieles verändern.

Welche Entwicklungen werden die Mobilität von morgen prägen?

Automatisierung, Vernetzung und neue, saubere Antriebstechnologien sind ganz wichtige Entwicklungen für die Mobilität von morgen. Daten werden dabei zum entscheidenden Rohstoff der Digitalisierung. Deshalb sind gerade auch Open-Data-Ansätze besonders wichtig für den Verkehrssektor. Außerdem erkennen wir einen zunehmenden Trend, Fahrzeuge zu teilen anstatt sie zu besitzen. Unsere Automobilhersteller haben das erkannt und sind im Begriff, sich zu umfassenden Mobilitätsanbietern zu wandeln.

Was erhoffen Sie sich für die Zukunft des Mobilitätsstandorts Deutschlands?

Wenn wir die Chancen der Digitalisierung aktiv nutzen wollen, ist vernetztes Denken wichtiger denn je – und zwar über althergebrachte Grenzen hinweg. Im Verkehrssektor oder in der Welt von Telekommunikations- und IT-Branche sind die Denkmuster noch immer sehr verschieden. Wenn die reale Welt immer stärker mit der virtuellen Welt verschmilzt, brauchen wir auch ein Zusammenwachsen zwischen den betroffenen Branchen. Diese Entwicklung müssen wir unterstützen.

Bei digitalen Innovationen für Mobilität denken die meisten zuerst an Unternehmen aus den USA wie Tesla, Uber oder auch Google. Deutschland dagegen ist traditionell stark im Automobilsektor und in der Logistik. Wie ist der Standort Ihrer Meinung nach im Vergleich zu den USA aufgestellt, was die Zukunft der Mobilität angeht?

Deutschland muss sich international keinesfalls verstecken. Mit einem starken Mittelstand und vielen international führenden Unternehmen sind wir auch für das Digitale Zeitalter gut gerüstet. So fährt zum Beispiel auch kein Tesla ohne deutsche Zulieferer. Aber wer bei der extremen Geschwindigkeit des Digitalen Wandels im weltweiten Wettbewerb bestehen will, braucht ein gutes Gespür für innovative Entwicklung. Diese Potenziale wollen wir auch mit dem Deutschen Mobilitätspreis aufzeigen.

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur realisiert den Deutschen Mobilitätspreis gemeinsam mit der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“. Warum ist es aus Ihrer Sicht so wichtig, Best-Practice-Beispiele für „Intelligente Mobilität“ zu zeigen und neue Ideen anzustoßen?

Der Wettbewerb soll deutlich machen, wie sich das Potenzial der Digitalisierung gezielt für die Mobilität von morgen nutzen lässt. Wir verstehen den Deutschen Mobilitätspreis als Wegbereiter für Innovationen. Er soll Leuchtturmprojekte bekannt machen und Impulse für die weitere Entwicklung setzen. „Intelligent unterwegs“ sind wir schon heute – doch das ist erst der Anfang: Gemeinsam machen wir Deutschland zum Vorreiter der Mobilität 4.0.

Im ersten Wettbewerbsjahr steht unter dem Motto „Intelligent unterwegs – Innovationen für eine mobile Gesellschaft“ das Thema „Teilhabe“ im Fokus. Inwiefern ist Teilhabe ein wichtiger Aspekt, wenn man über Mobilität spricht?

Mobilität ist Teil unserer persönlichen Freiheit und unserer Lebensqualität. Mobilität ermöglicht schnellen und sicheren Zugang zu Bildung, Kultur und Job. Sie ermöglicht Menschen die Teilhabe am öffentlichen Leben, fördert den sozialen Austausch und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mobilität stellt uns aber gesellschaftlich auch vor große Herausforderungen: Stau, Lärm, Verspätungen, Unfälle und Abgase sind hier nur einige Stichworte. Hier bietet auch die Digitalisierung neue Chancen.

Und welche sind vor diesem Hintergrund die zentralen Herausforderungen, vor denen Deutschland steht?

Die Digitalisierung unserer Gesellschaft schreitet rasant voran. Die weltweite Datenmenge wächst exponentiell. Um hier am Puls der Zeit zu bleiben, brauchen wir dafür eine echte Innovationskultur und einen offenen Umgang mit Daten. Dabei ist es wichtig, nicht alles nur auf eine Karte zu setzen. Wir müssen offen sein für unterschiedlichste Ansätze und vieles ausprobieren. Nicht alles wird funktionieren. Aber das was funktioniert, kann ein großer Erfolg werden.

Wenn Sie an die Mobilität im Jahr 2030 denken: Wie kommen wir in Zukunft von A nach B?

Autonom und intermodal sind hier die wichtigsten Stichworte. Bis 2030 werden Autos gelernt haben, selbständig zu fahren. Die Zeit unterwegs lässt sich dann anderweitig nutzen. Wer nicht im autonomen Fahrzeug unterwegs ist, der findet durch seinen digitalen Reisebegleiter stets den optimalen Mobilitäts-Mix für die geplante Strecke. Und auch das Bezahlen von Mobilität läuft elektronisch. Fahrscheine aus Papier gibt es dann nur noch im Museum.

Wie kommen Sie eigentlich morgens zur Arbeit?

Da entscheide ich oft ganz spontan. Öffentliche Verkehrsmittel sind für mich dabei immer eine gute Wahl. Gerne fahre ich auch mit dem Elektroauto, weil es so bequem und leise ist. In meiner Freizeit bin ich auch gerne mit dem Fahrrad unterwegs.

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