Interview

„Heute reden wir über autonomes Fahren, morgen vielleicht über autonomes Fliegen“

2. Februar 2017 – Das Anwendungszentrum Oberpfaffenhofen kümmert sich um die innovative Einbindung von Technologie und Know-how aus der Raumfahrt in junge Firmen aus neuen Wirtschaftsbereichen. Viele junge Firmen, die der Inkubator fördert, arbeiten im Bereich Mobilität. AZO-Geschäftsführer und Jurymitglied des Deutschen Mobilitätspreises Thorsten Rudolph erzählt uns im Interview, an welchen intelligenten Mobilitätslösungen gerade gearbeitet wird und welche besondere Rolle Start-ups dabei spielen.

Neue Ideen für Mobilität landen auf Ihrem Schreibtisch oft Jahre bevor sie unser aller Alltag umkrempeln. Was sind die aktuellen Innovationstrends im Mobilitätsbereich?

Wie wir heute über autonomes Fahren reden, reden wir vielleicht morgen über autonomes Fliegen. Zum Beispiel baut die Firma Lillium hier in Oberpfaffenhofen gerade an einem Elektroflieger, der senkrecht startet und Platz für zwei Personen bietet. Ein revolutionäres Modell, das 2018 zu seinem Jungfernflug starten soll. Auch wenn da noch technische und rechtliche Hürden genommen werden müssen, können wir in Zukunft vielleicht Staus vermeiden, indem wir eine Ebene über die Autobahn einfach einen neuen „Highway“ legen. Ein anderes Thema sind Drohnen für verschiedenste Aufgaben. Eine der neuesten von uns geförderten Anwendungen ist eine Drohne, die am Flughafen Flugzeuge umfliegt, um visuelle Inspektionen vorzunehmen. Andere Einsatzgebiete für Drohnen sind die Landwirtschaft, Sicherheit und Wartung. Das ist ein riesen Trendthema, mit dem sich auch viele Startups beschäftigen.

Welche Rolle spielen denn Start-ups und ihre Gründer bei den aktuellen Umwälzungen im Mobilitätssektor?

Wir sehen, dass digitale Geschäftsmodelle oft zuerst von jungen Unternehmen aufgegriffen werden. Es gibt da Beispiele, die schon vor fünf oder sechs Jahren auf dem Tisch gelegen haben, aber erst jetzt durch die Vernetzung tragfähig am Markt platziert werden können. Ich denke da zum Beispiel an die ersten Taxi-Apps, aus deren Geschäftsmodell letztlich der Fahrdienst Uber ohne eigene Fahrzeuge und Fahrer hervorgegangen ist. Ich glaube, dass diese jungen Unternehmen im Mobilitätssektor viel bewegen werden und schon bewegen. Das ist auch für große Unternehmen spannend, die schauen müssen, wie sie mit diesen neuen Geschäftsmodellen klarkommen, wie sie kooperieren und wie sie diese neuen Geschäftsmodelle in ihre eigenen integireren können.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die jungen Unternehmen für eine Förderung durch das AZO aus?

Da spielen mehrere Aspekte eine Rolle. An erster Stelle steht das Team. Hier müssen technische Expertise und auch Businessexpertise zusammenkommen. Desweiteren müssen wir der Meinung sein, dass das Geschäftsmodell funktioniert. Und selbstverständlich kommt es auf das Produkt an. Das kann ein digitales Geschäftsmodell sein oder auch eine Hardware – beispielsweise eine Trackingeinheit fürs Fahrrad oder ein M2M-Modul. Das alles schauen wir uns an und wenn wir der Meinung sind, dass das Modell tragfähig ist, fördern wir das junge Unternehmen zwei Jahre lang technisch, finanziell und auch mit Coaching.

Warum engagieren Sie sich für den Deutschen Mobilitätspreis?

Herr Rudolph, vielen Dank für das Gespräch.

Die Preisträger des Deutschen Mobilitätspreises 2016 zeigen heute schon, wie intelligente Lösungen unsere Mobilität verbessern können. Lernen Sie hier die zehn Projekte und drei Ideen kennen, die mit dem Deutschen Mobilitätspreis 2016 ausgezeichnet wurden.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.